Auch Bakterienkulturen werden als funktionelle Zutat eingesetzt. In Braineffect Daily Gut Limo wird Bacillus coagulans (Glossar) zugesetzt. In Super Pop Passionfruit Mango wird Lactobacillus plantarum als sogenanntes Postbiotikum verwendet. Dabei handelt es sich um Bestandteile von Bakterien oder deren Stoffwechselprodukte, die keine lebenden Mikroorganismen mehr enthalten, aber dennoch eine Wirkung im Körper haben können. Einige Hersteller reichern ihre Produkte gezielt mit Vitaminen oder Mineralstoffen an, um zugelassene gesundheitsbezogene Angaben nutzen zu können:
So enthält Gerolsteiner Flow Limette & Ingwer zugesetztes Calcium. Dadurch darf die gesundheitsbezogene Angabe “Calcium trägt laut den geltenden EU-Vorgaben zur normalen Funktion von Verdauungsenzymen bei” verwendet werden.
In der Braineffect Daily Gut Limo ist Niacin (Vitamin B3) zugesetzt. Für Niacin gibt es zugelassene gesundheitsbezogene Aussagen, zum Beispiel, dass es zur Erhaltung normaler Schleimhäute beiträgt. Dazu gehören auch Schleimhäute im Körper, etwa im Darm. Die auf dem Produkt vorgenommene konkrete Bezugnahme auf die Darmschleimhaut geht jedoch über diese allgemein zugelassene Aussage hinaus. Daher ist es rechtlich nicht eindeutig, ob sie so zugelassen ist.
Welche dieser Zutaten welche Rolle im Körper spielen und wie gut ihre Wirkung wissenschaftlich belegt ist, wird hier erläutert.
Was ist von Ballaststofflimos zu halten?
Kritisch zu bewerten sind insbesondere die gesundheitsbezogenen Angaben auf den Produkten und den Hersteller-Webseiten. Diese entsprechen zum Teil nicht den Anforderungen der europäischen Health-Claims-Verordnung. Grundsätzlich gilt: Aussagen mit gesundheitlichem Bezug dürfen in der EU nur verwendet werden, wenn sie wissenschaftlich belegt und zugelassen sind. Einige Angaben wurden bereits aufgrund der Kritik der Verbraucherzentralen angepasst oder zurückgenommen. Weitere Aussagen werden derzeit von den Verbraucherzentralen rechtlich geprüft.
Es stellt sich die Frage, ob die zugesetzten Ballaststoffe in Form eines Getränks, also einem flüssigen Lebensmittel, tatsächlich dieselben funktionellen Eigenschaften haben wie Ballaststoffe in festen Lebensmitteln. Dazu gibt es bislang keine wissenschaftlichen Daten.
Wer seine Ballaststoffzufuhr verbessern möchte, sollte sich ausgewogen ernähren und auf natürliche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse setzen. Sie liefern neben Ballaststoffen auch wichtige Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. High-Fiber-Limonaden können diese Grundlage nicht ersetzen, sondern bestenfalls ergänzen.
Hinzu kommt: Durch ihren süßlichen und erfrischenden Charakter werden die Getränke häufig in größeren Mengen konsumiert. Mögliche Folgen können Blähungen oder Verdauungsbeschwerden sein.
Viele der untersuchten Getränke kosten zudem mit etwa fünf Euro pro Liter ein Vielfaches von herkömmlichen Softdrinks oder Mineralwasser.
Fazit
High-Fiber-Drinks sind vor allem ein Marketingprodukt – mit hohem Preis, teils unzulässigen Gesundheitsversprechen und fragwürdigem Nutzen.