Beim Blick in die Zuatenliste der Erfrischungsgetränke, sehen Sie neben der Ballaststoffe viele weitere (funktionelle) Zutaten und Zusatzstoffe, die im Folgenden erklärt werden.
Die in der Stichprobe der Vebraucherzentrale Bayern betrachteten Getränke enthalten unterschiedliche Arten von Ballaststoffen, die aus natürlichen Quellen gewonnen und den Getränken gezielt zugesetzt werden. Hier ist eine kurze Erläuterung der verwendeten Ballaststoffarten.
- Teilhydrolysiertes Guarkernmehl / partiell-hydrolysiertes Guarkernmehl (PHGG)
- Verwendung/Charakter: Wasserlöslicher Ballaststoff, der aus der Guarbohne gewonnen wird; geschmacksneutral, wird in kalorienarmen Getränken, Diätprodukten und Nahrungsergänzungsmitteln verwendet, um deren Ballaststoffgehalt zu erhöhen und die Textur zu verbessern.
- Wissenschaftlicher Stand: Fördert das Wachstum nützlicher Darmbakterien; potenziell positive Effekte auf Darmgesundheit, Stuhlvolumen und entzündliche Magen-Darm-Erkrankungen (zum Beispiel Reizdarmsyndrom); aussagekräftige klinische Studien sind erforderlich.
- Pro: Unterstützt ein gesundes Darmmikrobiom; geschmacksneutral; gute Löslichkeit und Texturvorteile in Getränken und Backwaren.
- Contra: Blähungen oder Verdauungsbeschwerden möglich bei hohem Konsum
- Gummi arabicum (E 414) / Akazien-Ballaststoffe
- Verwendung/Charakter: Getrocknete Gummiabsonderung aus Akazien; wasserlöslicher Ballaststoff und Verdickungsmittel.
- Wissenschaftlicher Stand: Fermentationsquelle für das Darmmikrobiom; für mögliche entzündungshemmende, antibakterielle (zum Beispiel bei Parodontitis) und lipidsenkende Eigenschaften fehlen aussagekräftige klinische Studien.
- Pro: Ballaststoffquelle
- Contra: Gastrointestinale Beschwerden bei empfindlichen Personen
- Resistentes Maltodextrin / lösliche Maisfasern / Maisdextrin
- Verwendung/Charakter: lösliche Ballaststoffquelle; geschmacksneutral, wird in kalorienarmen oder funktionellen Lebensmitteln verwendet, um deren Ballaststoffgehalt zu erhöhen und Textur/Mundgefühl zu verbessern.
- Wissenschaftlicher Stand: Fördert das Wachstum nützlicher Darmbakterien, was Entzündungsprozessen entgegenwirkt; positive Effekte auf Darmgesundheit, Stuhlvolumen und Blutzuckerspiegel; weitere aussagekräftige klinische Studien sind erforderlich.
- Pro: Unterstützt gesundes Darmmikrobiom, geringere verfügbare Kalorien im Vergleich zu regulärem Maltodextrin; geschmacksneutral, vielseitig einsetzbar in Getränken, Backwaren und Diätprodukten.
- Contra: Kann Blähungen oder Verdauungsbeschwerden bei empfindlichen Personen verursachen, insbesondere bei hoher Zufuhr.
- Tapiokadextrin/Tapiokafasern
- Verwendung/Charakter: Aus der Stärke der Maniokpflanze; als Ballaststoff und Verdickungsmittel verwendet.
- Wissenschaftlicher Stand: Unterstützung der Ballaststoffzufuhr; Effekte auf Blutzucker- und Darmgesundheit sind nicht ausreichend belegt.
- Pro: Ballaststoffquelle, geringe Kalorien, leicht verdaulich.
- Contra: Bei übermäßigem Verzehr sind Blähungen oder Unverträglichkeiten möglich.
- Topinamburpulver
- Verwendung/Charakter: Süßlich-nussig-schmeckender Faserstoff aus der Topinamburknolle; Verdickungsmittel oder Süßungsmittelersatz in Milchprodukten, Snacks, Backwaren, Getränken und funktionellen Lebensmitteln.
- Wissenschaftlicher Stand: Topinambur enthält den Ballaststoff Inulin; präbiotisch wirksam; regt die Tätigkeit der Darmbakterien an; aussagekräftige klinische Studien zu positiven Effekten auf die Darmgesundheit fehlen.
- Pro: Prebiotisch, blutzuckerfreundlich bei moderatem Konsum; natürliche Süße/Struktur, vielseitig einsetzbar.
- Contra: Kann bei empfindlichen Menschen zu Blähungen führen; Qualitäts- und Standardisierungsunterschiede zwischen Produkten.
- Ballaststoffe aus Zichorienwurzel
- Verwendung/Charakter: Lösliche Ballaststoffe aus der Zichorie, insbesondere Inulin und Oligofructose; Zusatz für kalorienreduzierte Lebensmittel, Fruchtzubereitungen, Milchprodukte und Backwaren.
- Wissenschaftlicher Stand: Fördert das Wachstum nützlicher Darmbakterien; potenziell positive Effekte auf Darmgesundheit, Stuhlvolumen und Blutzuckerspiegel; weitere „unabhängige“ aussagekräftige klinische Studien sind erforderlich.
- Pro: Ballaststoffquelle, geringe Kalorien, verbesserte Textur und Volumen in Lebensmitteln.
- Contra: Kann Blähungen oder Verdauungsbeschwerden bei empfindlichen Personen verursachen, insbesondere bei hoher Zufuhr.
- Ammonsulfit-Zuckerkulör (E 150d)
- Verwendung/Charakter: Caramelfarbstoff, der durch Reaktion von Zucker mit Ammoniumsulfit entsteht; wird zum Färben von vielen Lebensmitteln, wie zum Beispiel aromatisierten Getränken oder süßen Produkten, eingesetzt; hitzestabil und löslich in Wasser.
- Wissenschaftlicher Stand: Von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als sicher bewertet, innerhalb festgelegter Aufnahmemengen. Die EFSA hat einen Gesamtwert für die zulässige tägliche Aufnahmemenge der vier Zuckerkulöre (E 150a, E 150b, E 150c und E 150d) in Höhe von 300 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag abgeleitet. Bei der Herstellung kann als Verunreinigung der Stoff 4-Methylimidazol (4-MEI) entstehen. In Tierstudien an Mäusen wurden kanzerogene Wirkungen beobachtet. In Ammonsulfit-Zuckerkulör gilt für 4-MEI ein Höchstwert von 250 Milligramm pro Kilogramm; Langzeitdaten sind begrenzt.
- Pro: Konsistente Färbung und vielseitig einsetzbar, guter Kosten-Nutzen-Faktor.
- Contra: Ammoniumsulfitreste können Schleimhäute bei empfindlichen Personen (zum Beispiel Asthmapatienten) reizen; Alternativen sind verfügbar.
- Apfelessig /-pulver
- Verwendung/Charakter: Wird als Geschmacksstoff oder Zusatz in Getränken und Backwaren verwendet; kein Ballaststoff; liefert milchsäure-ähnliche Begleitstoffe.
- Wissenschaftlicher Stand: Keine ausreichenden Belege für appetithemmende und blutzuckerregulierende Wirkung; Effekte meist gering und dosisabhängig.
- Pro: Geschmacksbildung, geringe Kalorienmenge, potenziell leichte Verdauungsunterstützung bei manchen Personen.
- Contra: Essigssäuren können den Zahnschmelz angreifen; bei empfindlichen Personen kann es zu Magenbeschwerden kommen.
- Bacillus coagulans
- Verwendung/Charakter: Sporenbildendes, milchsäureproduzierendes Bakterium; hitzestabiler als viele andere probiotische Kulturen; wird in Nahrungsergänzungsmitteln und funktionellen Lebensmitteln (zum Beispiel Getränke, Nudeln, Schokolade) eingesetzt.
- Wissenschaftlicher Stand: Für potenziell positive Effekte auf Darmgesundheit, Magen-Darm-Erkrankungen (zum Beispiel Verstopfung und Reizdarmsyndrom) und Immunmodulation sind weitere aussagekräftige klinische Studien erforderlich.
- Pro: Sehr stabil gegenüber Hitze und Magensäure; kann Verdauung und Darmbalance unterstützen; einfache Anwendung (zum Beispiel keine Kühlung nötig); gute Verträglichkeit bei den meisten Menschen.
- Contra: Wirkung nicht bei allen Personen nachweisbar; Qualität stark abhängig vom spezifischen Stamm; für immungeschwächte Personen ist theoretisch Vorsicht geboten.
- Calciumlactat (E327)
- Verwendung/Charakter: Calciumsalz der Milchsäure; wasserlöslich und relativ geschmacksneutral; wird als Säureregulator, Verdickungsmittel, Stabilisator und Calciumquelle in Gemüse-/Obstkonserven, Getränken, Backwaren, Milchprodukten und Nahrungsergänzungsmitteln verwendet.
- Wissenschaftlicher Stand: Wirksam zur Vorbeugung und Behandlung von Calciummangel, kein Zusatznutzen gegenüber anderen Calciumverbindungen; wirkt wahrscheinlich weniger verstopfend als Calciumcarbonat. Calciumlactat liefert pro Gramm tendenziell geringere Mengen an Calcium als gängigere Calciumformen wie Calciumcarbonat und Calciumcitrat. Bisher gibt es nur wenige Studien, die sich speziell mit den gesundheitlichen Vorteilen von Calciumlactat befasst haben.
- Pro: Gute Verträglichkeit, neutraler Geschmack, vielseitig einsetzbar, geeignet zur Lebensmittelanreicherung.
- Contra: Kann Blähungen oder Verdauungsbeschwerden bei empfindlichen Personen verursachen, insbesondere bei hoher Zufuhr.
- Glycerinester aus Wurzelharz (E 445)
- Verwendung/Charakter: Gewonnen aus Wurzelharzen (meist Kiefern) und Glycerin; wird als Stabilisator für alkoholfreie, trübe, aromatisierte Getränke und Limonaden eingesetzt, um zugesetzte Aromen und ätherische Öle gleichmäßig zu verteilen.
- Wissenschaftlicher Stand: Von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als sicher bewertet, wenn Höchstmengen eingehalten werden (akzeptable tägliche Aufnahmemenge 10 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag); wird im Körper größtenteils unverändert wieder ausgeschieden; keine Hinweise auf schädliche Wirkungen bei üblicher Aufnahme.
- Pro: Stabilisiert Emulsionen effektiv; verbessert die Konsistenz und Haltbarkeit von Getränken; pflanzlichen Ursprungs (Harz); gut untersucht und zugelassen.
- Contra: Gehört zu stark verarbeiteten Zusatzstoffen; sehr selten Unverträglichkeiten bei Personen mit bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Harzen oder Terpenen.
- Durch Hitze inaktivierter Lactobacillus plantarum
- Verwendung/Charakter: Lactobacillus plantarum ist ein probiotischer Bakterienstamm, kommt in fermentierten Lebensmitteln vor und wird als Zusatz in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet.
- Wissenschaftlicher Stand: Für potenziell positive Effekte auf Darmgesundheit, Immunmodulation, Blutfettwerte oder Gewichtsreduktion sind weitere aussagekräftige klinische Studien erforderlich.
- Pro: Inaktivierte Form kann Stabilität, längere Haltbarkeit und potenziell andere gesundheitliche Effekte (zum Beispiel Antioxidantien, Immunmodulation durch Zellbestandteile) bieten.
- Contra: Pasteurisierung zerstört lebende Zellen; dadurch entfällt der klassische probiotische Effekt.
- Konzentrierter Auszug aus Mönchsfrüchten
- Verwendung/Charakter: Süßstoff natürlichen Ursprungs, gewonnen aus der Mönchsfrucht; intensiv süß, aber kalorienfrei; wird zum Süßen in Getränken, Süßwaren und Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt.
- Wissenschaftlicher Stand: Toxikologische Datenlage für Mönchsfrucht-Extrakt reicht nicht aus, um auf eine sichere Verwendung als Lebensmittelzusatzstoff zu schließen; jedoch gelten Mönchsfrucht-Abkochungen (wässriger Auszug/Extrakt) laut Novel-Food-Katalog nicht als neuartige Lebensmittel; potenziell positive Effekte auf den Blutzuckerspiegel; aussagekräftige Langzeitstudien zur Sicherheit und ein harmonisierter regulatorischer Rahmen sind erforderlich.
- Pro: Kalorienfrei, kein Blutzuckeranstieg, zahnfreundlich, pflanzlicher Ursprung, sehr hohe Süßkraft (circa 100–250-mal süßer als Zucker).
- Contra: Teilweise lakritzartiger oder bitterer Nachgeschmack, begrenzte Verfügbarkeit/Zulassung in der EU; weniger gut untersucht als etablierte Süßstoffe.
- Postbiotika
Postbiotika sind eine vielfältige Gruppe bioaktiver Verbindungen, die von probiotischen Mikroorganismen produziert werden und einen signifikanten Einfluss auf die menschliche Gesundheit haben. Dazu zählen vor allem Bakterienlysate, Peptide, Zellwandfragmente, Lipide sowie kurzkettige Fettsäuren wie Propionat und Butyrat. Sie besitzen immunmodulatorische, entzündungshemmende, antimikrobielle, antioxidative und krebshemmende Eigenschaften. Es bedarf weiterer klinischer Studien, um ihren Nutzen zu bestätigen und ihre Wechselwirkungen mit dem Körper zu verstehen. In der Lebensmittelindustrie spielen Postbiotika zunehmend bei der Entwicklung funktioneller Lebensmittel eine Rolle.
- Saccharoseacetatisobutyrat (E 444)
- Verwendung/Charakter: Chemisch modifizierter Zucker, der als Stabilisator für alkoholfreie, trübe, aromatisierte Getränke und aromatisierte trübe Spirituosen mit einem Alkoholgehalt von weniger als 15 Prozent eingesetzt wird, um zugesetzte Aromen und ätherische Öle gleichmäßig zu verteilen.
- Wissenschaftlicher Stand: Von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als sicher bewertet, innerhalb festgelegter Aufnahmemengen (akzeptable tägliche Aufnahmemenge 20 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag); wird im Körper teilweise gespalten und verstoffwechselt, Rest wird ausgeschieden; keine Hinweise auf schädliche Wirkungen bei üblicher Aufnahme.
- Pro: Effektiv zur Stabilisierung von Getränken; verbessert Optik (gleichmäßige Trübung) und Geschmackseindruck; gut reguliert und toxikologisch untersucht.
- Contra: Synthetisch hergestellter Zusatzstoff; hohe Aufnahmemengen können theoretisch zu Leberbelastung führen (in der Praxis selten).